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Schäden an Solaranlagen: Der Dachdecker muss seine Kompetenz darstellen

Wolfgang Vierling ist Sachverständiger für das Dachdecker- und Klempnerhandwerk der Handwerkskammer Köln. Vor der Entscheidung, in diesem Beruf zu arbeiten, hatte der Dachdeckermeister den elterlichen Betrieb geführt und kennt sich daher in »seinem« Gewerk bestens aus. Seit einigen Jahren häufen sich auf seinem Schreibtisch durch Solaranlagen verursachte Schadensfälle, die vor allem »Solarteure« zu verantworten haben.

Wolfgang Vierling ist Sachverständiger für das Dachdecker- und Klempnerhandwerk der Handwerkskammer Köln. Vor der Entscheidung, in diesem Beruf zu arbeiten, hatte der Dachdeckermeister den elterlichen Betrieb geführt und kennt sich daher in »seinem« Gewerk bestens aus. Seit einigen Jahren häufen sich auf seinem Schreibtisch durch Solaranlagen verursachte Schadensfälle, die vor allem »Solarteure« zu verantworten haben.

dachbaumagazin: Herr Vierling, welche Gewerke bieten momentan die Montage von Solaranlagen an und wie teilt sich dieser Markt auf?

Wolfgang Vierling: Wenn man die Flächenleistung bei der Montage von Photovoltaikanlagen betrachtet, so werden diese derzeit zu 80 Prozent von Solarteuren, zu 10 Prozent von Elektrikern und zu 10 Prozent von Dachdeckern ausgeführt. In der Praxis ist der tatsächliche Anteil der Dachdecker aber größer, da viele Betriebe für die Solararbeiten eine Tochterfirma gründen, die in der Handwerksrolle nicht als Dachdeckerbetrieb auftaucht. So sparen sich die Unternehmen die Beiträge zur Bau-Berufsgenossenschaft und halten die Haftungsrisiken vom Dachdeckerbetrieb fern. Wer einen solchen Betrieb beauftragt, bekommt natürlich trotzdem das Fachwissen eines Dachdeckers.

Was sind im Moment die häufigsten Schäden bei Solaranlagen?

Die typischen Probleme auf dem Flachdach resultieren meist aus einer unzureichenden Befestigung der Solaranlage, was dann bei Sturm irgendwann zum Schaden führt. Bei Steildächern hingegen werden die Durchdringungen viel zu oft nicht regensicher ausgeführt.

Welche konkreten Solar-Schadensfälle haben Sie in letzter Zeit begutachten müssen?

Ich erinnere mich noch gut an die Befestigung eines Trägersystems auf einem Sandwichdach – und zwar ohne statischen Nachweis. Da hatte der Handwerker vor der Montage nicht geklärt, ob die Unterkonstruktion ausreichend fest ist und die Blechdicke der Außenschale für eine sichere Verankerung der Solaranlage ausreicht. Die Folge: Diese Anlage muss womöglich wieder abgebaut werden. Ein weiterer Schaden war auf einem Sheddach aufgetreten: Hier wurden die Halter der Solaranlage durch die Abdichtungsschicht mit Schrauben in der Betonschale befestigt. Der Handwerker hatte aber nicht bedacht, dass die Form der Halter für die geplante Abdichtung mit Flüssigkunststoff nicht geeignet war. Beide Anlagen wurden von Solarteuren ausgeführt, denen im Moment die überwiegende Zahl der Schäden zuzurechnen ist.

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Solarteur? Was sind das für Betriebe, und wo liegen ihre Stärken und Schwächen?

Die meisten Solarteure kommen aus dem Elektrikerhandwerk. Daher kennen sie sich mit PV-Modulen und Wechselrichtern gut aus, legen aber oft auf die richtige Verankerung in der Dachfläche keinen großen Wert. Ich habe den Eindruck, dass es einigen dieser Betriebe vor allem darum geht, möglichst viel zu verkaufen. Die gehen relativ unbedarft an die Sache heran und haben dem Dachdecker damit Marktanteile weggenommen. Dabei wäre ein großer Teil der Aufgaben, die bei der Montage einer Solaranlage anfallen, bei einem Dachdecker am besten aufgehoben.

Was qualifiziert den Dachdecker für diese Arbeit?

Ein Dachdeckerbetrieb ist für die Montage einer Solaranlage geradezu prädestiniert: Er kann zuerst einmal vor der Installation den Zustand der Dachdeckung einschätzen. Diese sollte noch circa 30 Jahre halten, damit die Solaranlage während ihrer Laufzeit nicht wegen Sanierungsarbeiten demontiert werden muss. Weiterhin kann er das Dach statisch richtig beurteilen und weiß, wann er einen Tragwerksplaner hinzuziehen muss. Er kann Durchdringungen im Dachaufbau regensicher ausführen und ist es außerdem gewohnt, sich in großer Höhe zu bewegen und sich dabei auch entsprechend zu sichern. Viele Elektriker und Installateure laufen hingegen völlig ungesichert auf dem Dach herum – da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten schweren Unfälle passieren.

Wie können Dachdecker diese Vorteile in Aufträge ummünzen?

Die Betriebe müssen den Kunden schlicht und einfach ihre Kompetenzen darstellen. Dabei sollten sie aufzeigen, dass nach den gängigen Rentabilitätsberechnungen nur solche PV-Anlagen wirtschaftlich sind, die während der geplanten Nutzungsdauer keine Schäden haben. Der Dachdecker muss seinem Auftraggeber klarmachen, dass sich Qualität unterm Strich trotz des höheren Preises lohnt – hier gibt es im Moment einen großen Aufklärungsbedarf, den das Dachdeckerhandwerk nutzen sollte.

Herr Vierling, wir bedanken uns für das Gespräch.



Wolfgang Vierling ist Dachdeckermeister und Sachverständiger. In den vergangenen zwei Jahren hat er zunehmend auch mit Schäden an Solaranlagen zu tun.

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