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Sanierte Casa Queipo soll Infrastruktur stärken

In drei schweißtreibenden Arbeitswochen wurde der Dachstuhl der Casa Queipo in Ernes mit einheimischem Holz aufgerichtet und für die Eindeckung mit Schieferplatten vorbereitet.

 

Bis zu zwei Wochen Anreise, eine Baustelle in der Einöde unter der sengenden Sonne Galiziens, eine aufwendige Beschaffung von Baumaterial, eine leistungsschwache Stromversorgung, dazu Sprachbarrieren zu den Gastgebern, eine eingeschränkte Versorgung und ein sehr geringes Budget. Die Sommerbaustelle des Schachtes Axt und Kelle war neben den örtlichen Gegebenheiten aber auch eine handwerkliche Herausforderung.

 

Mit Enthusiasmus, handwerklichem Geschick und mit Unterstützung der Elektrowerkzeuge und Zimmereimaschinen von Mafell, der Nagelgeräte von KMR und Tausenden von BeFIX Holzbauschrauben von BeA haben 24 Handwerker in drei schweißtreibenden Arbeitswochen den Dachstuhl der Casa Queipo in Ernes mit einheimischem Holz aufgerichtet und für die Eindeckung mit Schieferplatten vorbereitet.

 

Die Schalungsbretter wurden mit der Akku-Kappschienen-Säge abgebunden.

In der Hitze Galiziens

Ernes liegt in der Einöde und Hitze Galiziens, eine Stunde von der nächsten Kleinstadt Fonsagrada entfernt. Die wenig entwickelte Infrastruktur des Tals wurde durch den Bau eines Staudammes Mitte der 50er-Jahre fast komplett zerstört. Damals konnten die umliegenden Dörfer nur noch mit Booten erreicht werden. Viele Menschen verließen die Region. 1977 wurden Teile der Dörfer besetzt, um die einstürzenden Häuser vor dem Verfall zu retten. Mittlerweile führt eine Straße nach Ernes. Die Häuser sind von 20 Einwohnern wieder bewohnt und das wenige Land wird bewirtschaftet. Die Asociación Cultural Casa Queipo will mit dem Wiederaufbau des Gebäudes die Selbstverwaltung und Infrastruktur stärken und dort Werkstätten sowie Lager- und Seminarräume für die Einwohner Ernes und die 100 Menschen, die in der Umgebung leben, einrichten. Dort sollen beispielsweise Apfelsaft und Cidre für den Marktverkauf gelagert werden.

Das Gebäude wurde vermutlich vor 300 Jahren von einem Großgrundbesitzer im Schieferstein-Lehm-Verbund erbaut und landwirtschaftlich genutzt. Im Gebäude befanden sich unter einem Dach Backstube, Räucherkammer, Heulager, Ställe und Wohnräume. In den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Gebäude als Kirche und Pfarrhaus umgewidmet, aufgegeben und seither dem Verfall preisgegeben. Die Wandergesellen fanden eine Ruine vor: mit Resten von Fußböden, ohne Fenster und einem undichten Dach.

 

Die Dachschalung wurde mit dem D-Kopf-Gasnagler und Ringnutnägeln fixiert.

Neuer Dachstuhl errichtet

Das L-förmige Gebäude mit einer Grundfläche von 200 m² und einer Dachfläche von 270 m² wurde in der Vergangenheit mehrfach erweitert. Das alte Hauptdach mit Krüppelwalm und das Anbaudach mit Giebel, der jetzt durch verzierte Flugsparren in Szene gesetzt wird, lebt durch einen Pfettendachstuhl neu auf. Verbunden sind die Dachseiten mit einem Grat- und Kehlsparren sowie einem Verfallgrat. Krumme Hölzer wurden als Binder und Unterzüge eingebaut, damit der Dachboden möglichst aufrecht begehbar ist.

Wegen der geringen finanziellen Mittel wurden bereits im Januar 8 m³ Konstruktionshölzer in den gemeinschaftlich genutzten Wäldern in der Umgebung von Ernes selbst geschlagen, mit der Kettensäge aufgetrennt und besäumt.  Etwa 100 nasse und schwere Hölzer aus Esskastanie wurden einzeln mit Geländewagen und Traktoren zur Baustelle transportiert.

Jeder Sparren einzeln abgebunden

Die Hölzer winklig und gerade auf Maß gehobelt: 16 x 12 cm die Sparren und 18 x 14 cm die Pfetten. Nun ging es daran, die Schwellen auszuarbeiten und auszurichten. Die einzelnen Schwellenhölzer erhielten ein liegendes Blatt, in den Ecken ein französisches Druckblatt und am Giebel links und rechts eine Schwalbenschwanzverbindung. Auf die ausnivellierte Schwelle wurden im Anbaudach die krummen Binder und Unterzüge gestellt.  Wegen der Form und der Masse waren dazu 15 Handwerker zum Richten und Abschwerten notwendig.

Im nächsten Arbeitsschritt wurden Stiele mit Loch-Zapfen-Verbindung unten zur Giebelschwelle, zu den Unterzügen und zum Binder hin ausgearbeitet. Oben wurde eine Abblattung angefertigt, auf der die Firstpfette aufliegt. Die dreiteilige Firstpfette im Anbaudach misst in der Länge 17 m und die Höhe von der Schwellenoberkante beträgt 2,80 m. Die drei Teile sind durch stehende Blätter verbunden, welche noch zusätzlich mit M16-Gewindestangen fixiert sind.

Nun galt es, den First zu richten und die Sparren abzubinden. Da die Sparren nicht alle den gleichen Querschnitt aufwiesen und nicht exakt gerade verliefen, wurde jeder einzeln abgebunden. Mithilfe der abgebundenen Sparren wurde beim Hauptdach die exakte Position des Firsts bestimmt und dieser gerichtet. Verschalt wurde die Dachkonstruktion mit einseitig gehobelten Schalungsbrettern aus Esskastanie. Abschließend wurde das Dach fachgerecht abgeplant.

 

Über den Schacht Axt und Kelle

Die Sparren wurden
kraftschlüssig verbunden.

Der Schacht Axt und Kelle hat sich 1982 als Alternative zu den traditionellen Männerschächten (Gesellenvereinigungen) gegründet, um Frauen die Wanderschaft in einer Gesellenvereinigung zu ermöglichen, sich während der Wanderschaft in Kluft politisch aktiv zu zeigen und im Kollektiv ohne Meister Baustellen anzugehen. Außerdem ist es den Mitgliedern erlaubt, anders als in anderen Schächten, selbstbestimmt und in Gruppen zu wandern. Die Reisezeit beträgt zwei oder drei Jahre und einen Tag. Die Mitglieder tragen im Gegensatz zu den traditionellen Schächten keine Ehrbarkeit (Schlips), sondern einen Ohrring mit dem Schachtsymbol: Axt und Kelle vor aufgehender Sonne. Der Schacht ist offen für Handwerkerinnen und Handwerker der unterschiedlichsten Gewerke. Die meisten schließen sich aus dem Bauhauptgewerbe an. Beim Sommergesellentreffen wird für Kost und Logis ein gemeinnütziges Projekt unterstützt.

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