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Bei Holzverbindungen kommen sowohl Teil- als auch Vollgewindeschrauben zum Einsatz. Je nach Anforderung greift der Fachhandwerker zur ein oder anderen Konstruktion. Jetzt verbindet eine Neuentwicklung die guten Eigenschaften beider.

In Schramberg im Schwarzwald ist man mächtig stolz. Dort wurde jetzt die Schraube neu erfunden. Zumindest ist man bei Schraubenhersteller Heco dieser Meinung. Das Unternehmen enthüllte Mitte Januar in einer eindrucksvoll inszenierten Premierenfeier ihr Geheimnis: Eine Vollgewindeschraube mit Zusammenzieheffekt.

Teil- oder Vollgewinde?

Was sich unspektakulär anhört erweist sich in der Praxis als ungemein nützlich. Wollte man bisher Holzwerkstoffe miteinander verbinden musste man zu Teilgewindeschrauben greifen. Denn beim Schrauben entsteht immer dann ein Spalt, wenn die Schraube das obere Werkstück durchdrungen hat und auf das untere trifft. Bei Vollgewindeschrauben kann sich dieser Spalt nicht mehr schließen, weil die Werkstücke vom Gewinde fixiert werden. Daher also der Griff zu Teilgewindeschrauben. Deren glatter Schraubenschaft im oberen Bereich verhindert ein Fixieren des oberen Werkstücks und presst dies mit dem Schraubenkopf auf das untere – eine feste Verbindung entsteht. Teilgewindeschrauben haben jedoch den Nachteil, sich durch Kriechen und Schwinden des Holzes zu lösen. Jeder der schon einmal (zu) spät abends nach Hause kam und versucht hat, eine knarrende und quietschende Holztreppe geräuschlos zu überwinden kann ein Lied davon singen.

Veränderliches Gewinde!

Die neue Schraube kann das alles besser und kombiniert, dank ihrer veränderlichen Gewindesteigung, die Eigenschaften einer Teilgewindeschraube mit den Vorteilen eines Vollgewindes. Die Steigung des Vollgewindes nimmt im mittleren Bereich stetig ab und ist im hinteren Gewindebereich kleiner als an der Spitze der Schraube. Dieses, durch bloßen Augenschein kaum wahrnehmbare Detail, sorgt für den Zusammenzieheffekt beim Schrauben. Dieser klemmt die Holzbauteile schon beim Einschrauben zusammen. Das Vollgewinde fixiert die Bauteile dabei zusätzlich axial. Dies verhindert das bereits angedeutete, von Quietschen begleitete Lockern wie es bei den Teilgewindeschrauben eintreten kann. Darüber hinaus werden Plattenwerkstoffe bereits vor Erreichen der Kopfauflage an die Unterkonstruktion gepresst. Der Kopf muss daher nicht unnötig tief versenkt werden.

Beim Verschrauben von zwei Holzbauteilen lassen sich trotz – oder gerade wegen des – Vollgewindes die Hölzer somit ohne zusätzlichen Aufwand spaltfrei miteinander verschrauben. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Holzelemente nicht durch den Kopf, sondern durch das Gewinde fixiert werden. Dies ermöglicht ein höheres Lastniveau gegenüber Kopfdurchzug bei Anbauteildicken > 4xd1 und schafft dadurch mehr Sicherheit.

Verschiedene Ausführungen

Hersteller Heco bietet die auf „Heco-Unix“ getaufte Schraube mit zwei unterschiedlichen Schraubenspitzen an. Sofort verfügbar ist die Heco-Unix-plus mit einem verzahnten Gewinde zur Anwendung in Dübel und Holzwerkstoffen. Ohne den Dübel zu beschädigen, dreht sie sich ein und ermöglicht so hohe Ausziehwiderstände. Optimale Auszugs- und Überdreheigenschaften erreicht sie auch bei Verschraubungen in Spanplatten.

Spätestens im März stößt dann die Heco-Unix-top dazu. Sie ist insbesondere für Anwendungen im Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz geeignet. Dank der Form ihrer Spitze reduziert sie die Spaltwirkung im Holz und lässt sich aufgrund einer höheren Gewindesteigung insgesamt auch schneller verarbeiten.

Kopf mit Köpfchen

Besonderes Know-how steckt auch im Kopf der neuen Schraube. Der Kombikopf mit den patentierten Frästaschen eignet sich sowohl für Montagen im Beschlag, als auch für Verschraubungen im Holz. Er passt genau in eine 90°-Senkung. Wegen der hinterschnittenen Frästaschen reibt die Fräskante nicht an der Beschlagoberfläche. Dadurch wird die Beschlagoberfläche beim Einschrauben nicht beschädigt. Darüber hinaus sorgen die Frästaschen beim Einsatz in Holz für ein leichtes Versenken des Kopfes.

Speziell für Schreiner

Ein weiterer Vorteil liegt in der Zeitersparnis beispielsweise für Schreiner im Korpusbau mit beschichteten Spanplatten. Beim Zusammenschrauben zweier Spanplatten entsteht zwischen den beiden Brettern zwangsläufig ein Spalt. Daher ist es in vielen Fällen notwendig, die Elemente aufwändig vorzuspannen. Dank der Gewindegeometrie der neuen Schraube ist dieser Aufwand nicht mehr notwendig. Das neuartige Vollgewinde zieht die Bretter von alleine zusammen und fixiert die Bauteile mit dem Gewinde. Der Kopf kann oberflächenbündig verschraubt werden. Das Ergebnis sieht optisch ansprechend aus und die Montage ist wegen dem reduzierten Aufwand deutlich schneller zu realisieren.

Logische Idee

Die Vorteile der neuartigen Schraube liegen also klar auf der Hand. Und dass sich das Prinzip in der Praxis auch tatsächlich bewährt, davon konnten sich die zahlreichen Gäste der Premierenfeier vor Ort überzeugen. In kleinen Gruppen schraubten Vertreter der Fach- und Tagespresse sowie zahlreiche Fachhändler um die Wette. Ob sie dabei Zeuge der Neuerfindung der Schraube geworden sind, darüber wird die Zeit entscheiden. Doch klang ihnen beim Schrauben das Zitat des Firmenchefs Stefan Hettich in den Ohren: „Im Nachhinein erscheint jede gute Idee logisch.“

Die neuartige Vollgewindeschraube zieht die Bauteile von alleine zusammen. Die Schraube fixiert die Holzelemente nicht mit dem Kopf, sondern durch das Gewinde.

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