Werbung

International aus Erfahrungen lernen, um die Bauwirtschaft und die baunahen Dienstleistungen weltweit sicherer zu machen – so lautete eines der Ziele des Symposiums der Sektion für Prävention in der Bauwirtschaft der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) mit dem Titel: „Wie erreichen wir Vision Zero in der Bauwirtschaft?“ Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 19 Staaten berieten bis zum 10. Juni Wege, um schwere oder tödliche Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten am Bau zu verhindern.

Die IVSS wurde 1927 unter Federführung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) – einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen – gegründet und hat heute mehr als 320 Mitgliedsinstitutionen aus über 160 Ländern. Mit der Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten befassen sich 14 Sektionen der IVSS. Die Präsidentschaft und das Generalsekretariat der internationalen Sektion der IVSS für Prävention in der Bauwirtschaft liegen bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU).

Daher fand das Symposium der Sektion Bau in Berlin statt. Ziel war ein internationaler Austausch über wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft. Die Baubranche weist angesichts ihrer spezifischen Faktoren – wie nicht-stationäre Arbeitsplätze – traditionell hohe Unfallquoten auf, auch wenn in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen erzielt werden konnten. So verzeichnete die europäische Statistik-Agentur Eurostat beispielsweise im Jahr 2019 immer noch die höchste Zahl an sowohl nicht-tödlichen als auch tödlichen Arbeitsunfällen in der EU-27 im Baugewerbe.
Das ursprünglich aus der Verkehrspolitik stammende Konzept der Vision Zero beruht auf der Überzeugung, dass alle Unfälle, Krankheiten und Schadensfälle bei der Arbeit vermeidbar sind. Zur Verwirklichung von Vision Zero gibt es „7 Goldene Regeln“, durch deren Umsetzung eine Präventionskultur am Arbeitsplatz geschaffen oder unterstützt wird. Während des Symposiums kommen BauunternehmerInnen, ArchitektInnen, VertreterInnen von Behörden, Arbeitsschutzorganisationen, Forschungsinstituten, Universitäten, Ausbildungseinrichtungen sowie Bauherrinnen und Bauherren aus der ganzen Welt zusammen, um Best Practices im Bereich des Arbeitsschutzes auf Baustellen zu definieren sowie Erfahrungen, neue Ansätze und Innovationen, insbesondere im digitalen Bereich, zu diskutieren und international bekannt zu machen. Ziel ist es, die Zahl der Unfälle und Berufskrankheiten auf Baustellen auf globaler Ebene zu minimieren und damit der Vision Zero näher zu kommen.

„Für die Bauwirtschaft ist die Vision Zero eine Chance, aber auch eine Herausforderung“, so Michael Kirsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der BG BAU. „In Deutschland beispielsweise ist das Arbeitsunfallrisiko in der Baubranche zwar gesunken, zugleich ist das Risiko aber noch mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.“ So führen zum Beispiel Absturzunfälle immer wieder zu schweren oder tödlichen Verletzungen.
In der Veranstaltung trugen internationale Expertinnen und Experten zu Innovationen und neuen Verfahren im Arbeitsschutz, aber auch zu Gefahrstoffen wie dem nach wie vor problematischem Asbest oder zu aktuellen Themen wie COVID-19 vor, um einen praxisnahen Austausch und die Umsetzung anzustoßen.

BG BAU-Arbeitsschutzexperte und Präsident der IVSS-Sektion Bauwirtschaft, Professor Karl-Heinz Noetel sagte: „Rund um den Globus zeigen Unternehmen, dass sie über viele gute Lösungen verfügen. Ihnen ist es gelungen, Verletzungs- und Erkrankungsrisiken durch wirksame Maßnahmen oder den Einsatz neuer Technologien deutlich zu verringern. Roboter und Drohnen übernehmen zum Beispiel inzwischen gefährliche Arbeiten. Als entscheidender Faktor hat sich jedoch immer wieder eine Unternehmenskultur erwiesen, die sicheres und gesundes Arbeiten fordert und fördert. Im Rahmen des Symposiums werden für all dies Beispiele vorgestellt.“

 

Verwandte Beiträge

Weitere News