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»Wir pflegen einen partnerschaftlichen Umgang«. In Thüringen sind derzeit rund 25 Prozent der Führungspositionen in weiblicher Hand – das ist bundesweit spitze. Zu diesen »Chefinnen« gehört Jana Schade (geb. Krieg), die sich vor 15 Jahren mit ihrem Betrieb Dachbau Krieg in Eisenach selbstständig machte. dachbaumagazin hat sich mit der Dachdeckermeisterin über die Rolle der Frau als Unternehmerin im Handwerk unterhalten.

In Thüringen sind derzeit rund 25 Prozent der Führungspositionen in weiblicher Hand – das ist bundesweit spitze. Zu diesen »Chefinnen« gehört Jana Schade (geb. Krieg), die sich vor 15 Jahren mit ihrem Betrieb Dachbau Krieg in Eisenach selbstständig machte. dachbaumagazin hat sich mit der Dachdeckermeisterin über die Rolle der Frau als Unternehmerin im Handwerk unterhalten.

dachbaumagazin: Frau Schade, wie sind Sie eigentlich zum Dachdeckerhandwerk gekommen?

Jana Schade: Ich wollte schon als junger Mensch immer selbstständig arbeiten. Für mich war das normal: Mein Vater hat nach der Wende einen Reifenhandel eröffnet, meine Mutter ein Fußpflegestudio. Ich habe zunächst als Bauzeichnerin gearbeitet und bin dann vom Chef eines großen Dachdeckerbetriebs fürs Objektmanagement abgeworben worden. Das hieß konkret: Aufmaße anfertigen, Kalkulationen erstellen, aber auch Kundengespräche und Bauleitung.

Welche Erfahrungen haben Sie anfangs mit Ihren männlichen Kollegen gemacht?

Der Betrieb hatte 30 angestellte Dachdecker, und die haben sich anfangs von mir natürlich gar nichts sagen lassen. Mein damaliger Chef war ein Handwerksmeister der alten Schule und hat mich einfach ins kalte Wasser geworfen. Das war natürlich nicht gerade angenehm, aber ich habe in dieser Zeit auch viel gelernt.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, sich selbstständig zu machen und einen eigenen Dachdeckerbetrieb zu gründen?

Ich habe irgendwann angefangen zu denken: Was mein Chef da macht, das kann ich auch. 1997 habe ich mich dann mit zwei Partnern selbstständig gemacht – und hatte wirklich keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Der ständige Preiskampf, das mangelnde Vertrauen der Banken – das war schon eine harte Zeit. Außerdem musste ich damals natürlich jeden Tag mit aufs Dach.

Wie haben Sie die Zeit auf der Baustelle in Erinnerung?

Das war schon hart für eine Frau, zumal ich den Beruf ja nicht gelernt hatte – die handwerkliche Kompetenz lag damals bei meinen beiden Partnern. Heute mache ich fast nur noch Büroarbeit und merke immer mal wieder, dass mir die Arbeit auf der Baustelle fehlt.

Sie haben drei Jahre nach der Unternehmensgründung ihren Meistertitel auf der Abendschule nachgeholt. Waren Sie dort die einzige Frau im Kurs?

Nein, da war noch eine andere Frau aus Celle dabei. Die Männer haben zunächst natürlich blöd geguckt, so nach dem Motto: »Was machen die denn hier, die wollen doch bestimmt zur Kosmetik!« Die Meisterschule war aber eine schöne Zeit, fast so wie ein Studium. Das Schwierigste war für mich damals der praktische Teil, aber fachlich war es enorm wichtig, den Meistertitel zu erwerben. Ansonsten würde die Firma heute wohl nicht mehr existieren.

Sie haben momentan sieben angestellte Dachdecker. Wie gehen die Kollegen mit einer Frau als Chefin um?

Wir pflegen hier einen partnerschaftlichen Umgang miteinander. Die Angestellten haben viel Eigenverantwortung und wissen ganz genau, dass es ohne sie gar nicht gehen würde. Und wenn die Baustellen laufen, dann mische ich mich da auch gar nicht groß ein. Außerdem haben wir auch eine klare Rollenverteilung: Die Männer akzeptieren mich ohne Wenn und Aber als Chefin, obwohl sie wissen, dass sie auf der Baustelle mehr draufhaben als ich. Meine Stärken liegen halt mehr in der Betriebsführung.

Würden Sie sich aus Ihrer heutigen Perspektive noch einmal selbstständig machen?

Momentan bin ich sehr zufrieden: Der Betrieb hat einen guten Ruf, außerdem sind wir ein unschlagbares Team. In den ersten zehn Jahren habe ich allerdings kaum Geld verdient und alles in den Aufbau der Firma investiert – es gab also auch andere Zeiten. Ja, und ganz am Anfang war es rückblickend von Vorteil, dass ich so blauäugig war – wenn ich gewusst hätte, welche Hürden da auf mich warten, hätte ich Dachbau Krieg wohl nicht gegründet.

Frau Schade, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Jana Schade führt seit 15 Jahren einen Dachdeckerbetrieb, hat zehn Mitarbeiter und erwirtschaftet mittlerweile mehr als 900.000 Euro Umsatz pro Jahr.

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