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Die Windsogsicherung von Steildächern rückt durch den Klimawandel und die damit verbundenen immer heftigeren Stürme in den Blickpunkt. Doch wie sieht es eigentlich diesbezüglich mit dem Fachwissen der Dachdecker aus? Wir haben uns mit Hans-Martin Koch und Ronald Melzer vom Sturmklammerhersteller FOS unterhalten, der regelmäßig Seminare zu diesem Thema anbietet.

Hans-Martin Koch (links) arbeitet seit 35 Jahren im Vertrieb von FOS und Ronald Melzer ist seit 29 Jahren bei FOS, ebenfalls im Vertrieb

 

dachbaumagazin: Seit wann bieten Sie Seminare zum Thema Windsogsicherung an und wie werden die im Dachdeckerhandwerk angenommen?

Hans-Martin Koch: Unsere Seminare gibt es seit 1998, damals wurde die Sturmsicherung in die Fachregel des ZVDH integriert. Vorher war es den Dachdeckern freigestellt, wie sie ihre Dächer gegen Windsog sichern.

Ronald Melzer: Anfangs haben wir beide jeweils 15 Schulungen pro Jahr gemacht, nach der Überarbeitung der Fachregel 2011 wurden es dann schlag­artig mehr. Jetzt musste auf einmal in allen Windzonen geklammert werden, und wir haben bis zu 50 Schulungen pro Jahr abgehalten. Damals haben sich viele Dachdeckerbetriebe auf den neuen Stand bringen lassen – die wissen jetzt Bescheid. Mittlerweile sind es aber nur noch um die fünf Schulungen, dabei wäre der Bedarf meiner Meinung nach viel höher.

Hans-Martin Koch: Die Betriebe sind alle ausgelastet, es gibt keine richtigen Winter mehr und viele Dachdecker meinen, sie wüssten genug über das Thema.

Viele Dachdecker glauben, dass sie jede dritte Pfanne befestigen müssen.

Wer kommt zu Ihren Seminaren?

Hans-Martin Koch: Meistens sind es die Meister, aber es ist generell immer schwerer, Dachdecker zu unseren Schulungen zu kriegen. Wir schulen deshalb verstärkt die Mitarbeiter des Fachhandels, damit dort auch eine gewisse Kompetenz in Sachen Windsogsicherung vorhanden ist.

Warum ist es so schwer, die Dachdecker von der Wichtigkeit des Themas zu überzeugen?

Ronald Melzer: Weil sich in der Branche einige hartnäckige Glaubenssätze halten, die die Sturmsicherung als einfache Aufgabe erscheinen lassen. Warum sollte ich mich da schulen lassen?

Was für Glaubenssätze sind das?

Hans-Martin Koch: Viele Dachdecker denken, dass sie einfach nur jede dritte Pfanne befestigen müssten, und dann würde alles passen. Das ist aber nachweislich falsch.

Ronald Melzer: Mir hat nach einem Seminar mal ein Dach­decker erzählt, dass er grundsätzlich nach Gefühl klammern würde. Da wusste ich nicht mehr, was ich sagen sollte.

Hans-Martin Koch: Manche Dachdecker sind auch der Meinung, wir als Klammerhersteller hätten die Vorschriften gemacht, damit wir mehr Sturmklammern verkaufen können. Andere wiederum probieren, sich von ihrem Bauherren schriftlich von der Sturmsicherung entbinden zu lassen. Das Problem dabei ist allerdings, dass sich der Handwerker von der Haftung nicht befreien lassen kann.

In aller Kürze: Wie funktioniert es richtig?

Hans-Martin Koch: Zunächst muss man sich klar machen, dass Dachpfanne und Klammer in Kombination nach EN 14437 geprüft werden. Der Dachdecker kann also nicht irgendeine Klammer aus dem Lager verwenden. Wenn das Dach dann auch noch durch unser kostenloses Online-Berechnungstool läuft und das berechnete Verlegeschema eingehalten wird, ist man schon auf dem richtigen Weg.

Welche Konsequenzen drohen einem Betrieb, wenn er in die Haftung genommen wird?

Ronald Melzer: Er muss das richtige Klammerschema nachträglich herstellen – und das ist wirklich eine Menge Arbeit.

Hans-Martin Koch: Ich habe ein Foto von einem Dachstein, der sich durch eine Windschutzscheibe gebohrt hat. Trifft der einen Menschen, ist das mindestens fahrlässige Körperverletzung.

Herr Koch, Herr Melzer, vielen Dank für das Gespräch.

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