Der Unternehmer Lutz Weiler ist Geschäftsführer von drei Unternehmen aus dem Tief- und Straßenbau und beschäftigt sich schon seit 25 Jahren mit dem Thema »Gestalten mit Asphalt«. Seine aktuelle Neuentwicklung ist eine helle Beschichtung für Bitumendächer, die der zunehmenden Wärmeentwicklung in Großstädten mit einfachen Mitteln entgegenwirken soll.

Lutz Weiler ist Geschäftsführer der Asphalt & Liquids GmbH

 

dachbaumagazin: Eine Beschichtung für Bitumendächer, die die Sonneneinstrahlung reflektiert und dadurch im Sommer das Gebäude und die Umgebung kühl hält – Herr Weiler, wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Lutz Weiler: Ich habe vor einiger Zeit mit meiner Tochter über Umweltschutz und erneuerbare Energien diskutiert und war danach so neugierig, dass ich über zwei Jahre lang jeden Abend zwei bis drei Stunden über diese Themen gelesen habe. Dabei bin ich irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass wir in den Großstädten wegen der enormen Wärmeentwicklung im Grunde nur zwei Möglichkeiten haben: alles abreißen oder sinnvoll umbauen. Und ich habe mich an den amerikanischen Physik-Nobelpreis-träger Steven Chu erinnert, der unter Barack Obama Energieminister war und schon 2009 erklärt hat, wie wirkungsvoll es für den Klimaschutz sein könnte, Dächer weiß zu streichen, Straßen heller zu machen oder weiße Autos zu fahren. Davon habe ich mich inspirieren lassen und die Beschichtung Klimabond Roof entwickelt, die einen Großteil der direkten Sonneneinstrahlung zurück ins All reflektiert.

Wie funktioniert das?

Die Idee ist, die Hitze im Sommer erst gar nicht entstehen zu lassen. Schnee reflektiert durch seine weiße Farbe rund 80 Prozent der Sonneneinstrahlung, weshalb man in den Bergen auch im Winter noch einen Sonnenbrand bekommen kann. Deswegen ist diese Beschichtung auch nicht für Straßen geeignet, wo sie blenden und Sonnenbrand verursachen würde – für Straßen gibt es das etwas dunklere Klimabond Road. Auf dem Flachdach erzeugt die Sonne an heißen Tagen rund 850 W/m², und die Beschichtung schickt durch ihre helle Farbe, aber auch durch Füll- und Zuschlagstoffe immerhin 650 W/m² zurück ins All. Sie haftet gut auf Bitumen, schließt kleine Risse und ist so eingestellt, dass Moose und Algen kaum anhaften können. Sie ist gut fürs Klima, gut für die Schweißbahn und obendrein auch noch ein günstiges Produkt, das sich leicht verarbeiten lässt. Stichwort Verarbeitung:

Wie wird die Beschichtung aufgebracht?

Sie kann in zwei Schichten mit einer handelsüblichen Farbrolle oder mit einem Spritzgerät aufgebracht werden, wobei der Untergrund vorher gesäubert werden muss. Der Dachdecker tut sich mit dem Farbauftrag übrigens auch selbst einen Gefallen, denn zukünftige Wartungsarbeiten im Sommer werden deutlich angenehmer, weil sich das Flachdach in der Regel nicht mehr als 4 °C über Lufttemperatur aufheizt. Sie haben zu Testzwecken 2020 ein 500 m² großes Flachdach eines Ihrer Bürogebäude mit der neuen Beschichtung versehen.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Ehrlich gesagt: sehr gut! Wir haben zunächst nur rund 30 Prozent der Dachfläche beschichtet und dann eine Wärmebildaufnahme (Bild daneben) sowie Temperaturmessungen gemacht: Während das unbeschichtete Bitumendach 74,5 °C heiß war, haben wir auf dem frisch beschichteten Teildach nur 42 °C gemessen, also 32,5 °C weniger. Dadurch sind unsere Büroräume im Sommer um 6 bis 8 °C kühler, weshalb wir die Klimaanlage kaum noch brauchen. Zudem sorgt die Beschichtung dafür, dass die Bahn aufgrund der deutlich kleineren Temperaturamplitude nicht mehr so stark arbeiten muss und dadurch letztlich eine längere Lebensdauer hat. All dies ist positiv für die Umwelt und hilft, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Wo kann der Dachdecker die Beschichtung bekommen?

Bisher nur im Direktvertrieb bei der Asphalt & Liquids GmbH (Telefon 069/87 40 34 00, www. klimabond.de). Ich bin aber für Vertriebspartnerschaften offen.

Herr Weiler, vielen Dank für das Gespräch.

Unsere drei neuesten Interviews

  • Der Unternehmer Lutz Weiler hat eine helle Beschichtung für Bitumendächer entwickelt, die der zunehmenden Wärmeentwicklung in Großstädten mit einfachen Mitteln entgegenwirken soll.

  • Auf vielen Dachbaustellen sind Bauholz und Dämmstoffe Mangelware. Und wer doch etwas bekommt, muss saftige Preise bezahlen. Die Folge: Angebote können nicht mehr gehalten werden, außerdem gibt es immer mehr Baustopps und sogar Kurzarbeit.

  • Mit dem »Masterplan 100 % Klimaschutz« hat sich die Stadt Münster Klimaschutzziele gesetzt: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um 95 Prozent und der Energieverbrauch um 70 Prozent reduziert werden. Dazu führte »Smart City Münster«, eine Stabsstelle im Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft, im Januar 2021 Thermografiebefliegungen durch. Wir haben uns mit Stefanie Heeke unterhalten, die bei »Smart City Münster« für die Kommunikation zuständig ist.

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