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Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll. Zudem haben Flutkatastrophen, Hitzewellen und Waldbrände in ganz Europa die Folgen des Klimawandels stärker als je zuvor ins Blickfeld gerückt. dachbaumagazin hat sich mit Gerald Laumans, Geschäftsführer der Dachziegelwerke Laumans, über Klimaschutz im deutschen Mittelstand unterhalten – und über die Bemühungen seines Unternehmens, aktiv dazu beizutragen.

Gerald Laumans, Geschäftsführer der Dachziegelwerke Laumans in Brüggen-Bracht

Gerald Laumans ist Geschäftsführer der Dachziegelwerke Laumans in Brüggen-Bracht

 

dachbaumagazin: Herr Laumans, wenn wir uns die technische Entwicklung der Ziegelproduktion in den vergangenen Jahrzehnten anschauen – was waren für Sie die wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einer energieeffizienteren Produktion?

Gerald Laumans: Zum einen sicherlich die Umstellung des Brennträgers von Kohle bis in die 1960er-Jahre über Schweröl auf Erdgas bis hin zu Biogas. Aber auch im Brennofen hat sich einiges getan. Während die Konkurrenz ihre Dachziegel seit den 1990er-Jahren in sogenannten H-Kassetten brennt, um Druckund Scheuerstellen zu verhindern, sind wir bei Laumans einen anderen Weg gegangen. Wir setzen die Dachziegel frei stehend und berührungslos auf die Tunnelofenwagen und verzichten somit auf Brennhilfsmittel wie die H-Kassetten, die eine massive Verschlechterung der Energiebilanz bewirken. In Zahlen heißt das: Mit unserem Brennverfahren stoßen wir rund 30 Prozent weniger CO2 aus. Zudem nutzen wir seit März 2020 zu 100 Prozent grünen Strom und bieten jetzt auch Dachziegel an, die ausschließlich mit Biogas gebrannt werden.

Was ist das für ein Produkt?

Diese neue Dachziegelreihe heißt »Greener« und wird durch den Einsatz des teureren Biogases klimaneutral gebrannt. Beim Dach eines Einfamilienhauses spart der Bauherr im Vergleich zu normalen Ziegeln so viel CO2 ein, wie bei einer 6800 km langen Autofahrt entstehen würde. Das hat natürlich seinen Preis, ein »Greener«-Ziegel ist pro Stück 15 Cent teurer. Wir planen, zum Start erstmal fünf Prozent eines Teils unserer Produktion, das sind rund 350 000 Dachziegel pro Jahr, mit Biogas zu brennen.

Wir haben gute Tonvorkommen und versorgen uns zu 75 Prozent vor Ort.

Stichwort Preis: Wie sieht es Ihrer Meinung nach mit dem Umweltbewusstsein der Bauherren aus?

Wir haben bereits vor 25 Jahren ein Solardachsystem auf den Markt gebracht. Da konnte man merken, dass viele Menschen zwar angeben, »grün« zu sein, aber wenn es ans Bezahlen geht, wird es schwierig. Zugegeben, die Solartechnik war damals auch noch sehr teuer. Bei den »Greener«-Ziegeln ist das anders, da wird ein normales Einfamilienhaus 400 oder vielleicht 500 Euro teurer. Unser Ziel ist es jedenfalls, die Produktion in Zukunft auf 100 Prozent Biogas umzustellen.

Wie sieht es bei Laumans mit den Transportwegen aus?

Wir haben in Brüggen sehr gute Tonvorkommen und können uns daher zu 75 Prozent vor Ort versorgen. Der Rest kommt aus dem Westerwald. Hier sind wir, glaube ich, wirklich gut aufgestellt, was ja auch in unserer EPD dokumentiert wird.

Was bedeutet so eine EPD für ein mittelständisches Unternehmen?

Die EPD (Environmental Product Declaration) ist ein sehr umfassendes Zahlenwerk und für uns vor allem eine Bestandsaufnahme. Sie bewertet den kompletten Lebenszyklus des Ziegels und macht die Produkte der Ziegelindustrie dadurch vergleichbar. Der CO2-Fußabdruck unserer Dachziegel ist im Vergleich zur Konkurrenz jedenfalls deutlich geringer, und darauf sind wir natürlich stolz.

Deutschland will 2045 klimaneutral sein. Wie sieht die Ziegelproduktion der Zukunft aus?

Auf der einen Seite haben wir den höchstrichterlichen Auftrag, klimaneutral zu werden. Dabei fällt immer wieder der Begriff »grüner Wasserstoff«, aber es gibt momentan keine Technologie, um unsere Produktion auf diesen Energieträger umzustellen. Da sind wir leider von externen Entwicklungen abhängig, die bestimmt noch zehn Jahre brauchen werden. Hier wird dann auch die Politik ins Spiel kommen. Was erwarten Sie von der nächsten Bundesregierung? Wir haben eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter und müssen deshalb wettbewerbsfähig bleiben. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass wir etwas gegen den Klimawandel tun müssen. In diesem Spannungsfeld brauchen wir von der Politik vor allem Geradlinigkeit und Verlässlichkeit. Außerdem brauchen wir Zeit und Förderprogramme, um umweltschonende Technologien zu entwickeln und in unsere Produktion zu integrieren. Dabei müssen wir aufpassen, damit die ausländische Konkurrenz uns nicht abhängt – und dafür brauchen wir weiterhin bezahlbare Energie.

Herr Laumans, vielen Dank für das Gespräch.

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