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Gründächer befinden sich auf dem Vormarsch und sind inzwischen nicht nur bei überzeugten Umweltschützern, sondern auch bei vielen Stadtverwaltungen sehr beliebt. dachbau magazin hat sich mit Dr. Gunter Mann, dem Präsidenten des Bundesverbands Gebäude Grün (BuGG), über die aktuellen Marktzahlen, Gründachtrends und die Rolle des Dachdeckers bei der Beratung unterhalten.

Dr. Gunter Mann

Dr. Gunter Mann ist Präsident des Bundesverbands Gebäude Grün (BuGG)

dachbaumagazin: Herr Dr. Mann, welchen Stellenwert hat das Gründach momentan bei Dachdeckern, Bauherren und Planern?

Dr. Gunter Mann: Ich bin seit 30 Jahren in der Gründachbranche aktiv, und was sich dort in den vergangenen zwei Jahren getan hat, ist genauso viel wie in den 28 Jahren zuvor. Das Thema ist angekommen, und vor allem in den Stadtverwaltungen ist es mittlerweile bekannt, dass Gründächer nicht nur zum Regenmanagement und zum Artenschutz, sondern auch zur Klimatisierung insbesondere von großen Städten einen erheblichen Beitrag leisten. Gleichzeitig muss ich die Leute in Gesprächen oder auf Veranstaltungen immer noch fast täglich davon überzeugen, dass Gründächer technisch dauerhaft funktionieren und ökologisch sinnvoll sind.

Wie groß sind die gesamten begrünten Dachflächen derzeit in Deutschland und wie schätzen Sie hier das Potenzial für die Zukunft ein?

Der BuGG bringt jedes Jahr den Marktreport Gebäudegrün heraus, wo wir die aktuelle Entwicklung auch in Zahlen dokumentieren. Momentan gehen wir dort von 130 bis 150 Millionen m2 Gründachfläche aus, wobei 2021 immerhin 9 Millionen m2 neu dazugekommen sind. Das hört sich gewaltig an, aber gleichzeitig gehen wir für 2021 von rund 90 Millionen m2 neu gebauter Flachdachfläche aus. Es werden momentan also nur zehn Prozent der neuen Flachdächer begrünt, und wenn man bedenkt, dass in der Vergangenheit viel weniger Gründächer geplant und gebaut wurden, ist das Potenzial nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand riesig. Gleichzeitig muss man hier natürlich bedenken, dass viele Industrieleichtdächer mit ihren sehr großen Flächen statisch nicht für ein Gründach konzipiert wurden und deshalb auch für eine Nachrüstung oft nicht geeignet sind.

In Deutschland wurde 2021 eine Dachfläche von 9 Millionen m2 begrünt.

Wir haben bis jetzt ausschließlich über Flachdächer gesprochen. Wie sieht die Entwicklung denn bei begrünten Steildächern aus?

Dazu gibt es ehrlicherweise kaum Zahlen. Die begrünte Fläche wird bei Steildächern in Deutschland bei weniger als einem Prozent liegen, vor allem im privaten Wohnungsbau. Das Problem ist hier, dass man ab 15 Prozent Dachneigung eine Schubsicherung braucht, und dann wird es teuer.

Die Kombination von Gründächern mit PV-Anlagen bringt einige Vorteile. Setzt sich dieser Trend auch in der Praxis durch?

Durch die PV-Pflicht in einigen Bundesländern ist hier auch das Gründach in den Fokus gerückt. Viele Städte kombinieren in der Ausschreibung inzwischen auch die PV-Anlage mit einem Gründach. Es gibt aber immer noch viele Planer und Bauherren, die denken, sie müssten sich für eins entscheiden. Dabei hat die Kombination große Vorteile: Die Abdichtung wird vor Hitze und Hagel geschützt, das Gründach dient auch hier als Regenwasserspeicher und die Leistung der PV- Anlage steigt durch die Verdunstung auf dem Gründach und die daraus resultierende Kühlung um rund vier Prozent.

Wie sieht es mit der Haltbarkeit von Gründächern aus?

Seit 1975 wird in Deutschland mit System begrünt, sodass die ältesten Gründächer mittlerweile über 40 Jahre alt sind. Oft kommt es vor, dass das Gebäude am Ende seiner Nutzungsperiode ankommt, während das Gründach noch völlig intakt ist. Die Voraussetzung für ein langlebiges Gründach sind eine sorgfältig ausgeführte Abdichtung und ein zum Standort und zur geplanten Nutzung passender Gründachaufbau. Wenn hier gut geplant und ausgeführt wird, hält ein Gründach locker für eine Generation.

Welche Rolle spielt der Dachdecker beim Gründach?

Der Dachdecker wird immer wichtiger. Er ist nicht nur für die Abdichtung und damit für die Basis des Gründachs verantwortlich, sondern hat meist auch den ersten Kontakt mit dem Bauherren. Wenn ein Dachdecker dann gut informiert ist und die Vorteile eines Gründachs ins Spiel bringt, ist das enorm viel wert. Aus diesem Grund haben wir mit dem BuGG vor zwei Jahren eine Kooperation mit dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) gestartet, die jetzt erste Ergebnisse bringt.

Herr Dr. Mann, vielen Dank für das Gespräch.

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    Dachdeckerin Jana Siedle aus Furtwangen hat sich beim Bundesentscheid 2022 im Praktischen Leistungswettbewerb gegen die anderen Landessieger durchgesetzt und ist nun deutsche Meisterin der Dachdecker. Als Siegerin in einem von Männern dominierten Beruf ist sie derzeit sehr gefragt. Zeit für die Fragen der Redaktion dachbau magazin hat sie sich trotzdem genommen.

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  • Christoph Schendel

    Christoph Schendel ist Dachdeckermeister, Chef eines Innungs­ betriebs in vierter Generation und stellvertretender Landesinnungs­ meister in Baden­Württemberg. Gemeinsam mit einem Studenten der Hochschule Karlsruhe hat er eine Monitoring­Lösung für Flach­ dächer entwickelt. Im Gespräch mit dem dachbau magazin erklärt Christoph Schendel, wie seine Idee in der Praxis funktioniert.

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