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Die Spenglerei Lex aus München hat sich auf anspruchsvolle Denkmalschutz- Projekte spezialisiert und saniert besonders häufig die Dächer historischer Kirchen. Wir haben uns mit Spenglermeister und Juniorchef Stefan Lex über die Denkmalpflege, die Passion für alte Handwerkstechniken und nicht zuletzt auch darüber unterhalten, wie es ist, mit drei Generationen in einem Handwerksbetrieb zu arbeiten.

Profi in der Denkmalpflege: Spenglermeister Stefan Lex auf dem Rathausturm in Passau

 

dachbaumagazin: Warum arbeiten Sie besonders gerne auf den Dächern denkmalgeschützter Gebäude?

Stefan Lex: Am Denkmal können wir fernab von Normen und Industriegewährleistungen arbeiten. Wir können garantieren, dass unsere Dächer problemlos 30 bis 50 Jahre halten – das ist eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Außerdem macht die Arbeit mit historischen Handwerkstechniken einfach Spaß. Und ein Projekt wie der weithin bekannte, besonders exponierte Rathausturm in Passau ist da natürlich ein »Zuckerl«

Die Altgesellen geben ihre Passion fürs Denkmal an die jungen Kollegen weiter.

Wie finden Sie Mitarbeiter, die die Qualifikationen für diese anspruchsvolle Arbeit mitbringen?

Wir haben das Glück, ein paar Mitarbeiter zu beschäftigen, die schon sehr lange bei uns arbeiten. Einer ist schon seit 30 Jahren dabei, da war ich noch gar nicht geboren. Und diese Altgesellen arbeiten dann zusammen mit meinem Großvater, meinem Vater und mir die jungen Kollegen ein und geben so die Passion für die Denkmalpflege und alte Handwerkstechniken weiter. Wir haben 2020 drei junge Spengler von der Berufsschule eingestellt, und die werden nun langsam an die historischen Techniken herangeführt. Außerdem bin ich auf Instagram zum Thema Denkmalpflege aktiv (Adresse: Hans_Lex_ Spenglerei_Bedachung), wodurch sich mittlerweile auch junge Leute für unsere Arbeit und den Betrieb interessieren.

Was waren die Besonderheiten bei den Dacharbeiten am Rathausturm in Passau?

Mit einer Fläche von 189 m² war dieses Dach zwar nicht groß, dafür aber sehr steil, mit 38 m recht hoch und liegt zudem mitten in der Passauer Altstadt. Deshalb begannen die Schwierigkeiten schon bei der Demontage: Durch die Vermörtelung ließen sich die alten Mönchziegel nicht Pfanne für Pfanne abnehmen. Stattdessen ist uns das alte Dach gleich quadratmeterweise entgegengefallen, sodass wir sehr vorsichtig arbeiten mussten, damit keine Ziegelteile zu Boden fallen und Passanten gefährden konnten. Die Schiffe bringen in Passau jeden Tag Touristen in die Altstadt, und die stehen natürlich auch am Rathausturm. Weiterhin haben wir bei der Sturmsicherung entgegen dem LV ein Zusatzangebot abgegeben: trocken verlegte Mönch-Nonne-Ziegel mit passenden Sturmklammern vom Ziegelhersteller. Die sind alle aus Edelstahl und rosten nicht, weshalb das neue Dach so lange halten wird wie die Ziegel.

Es gibt einen Film über diese Sanierung, der mit einer Drohne gedreht wurde. Wie kam es dazu?

Mir war es wichtig, das neue Dach nach dem Abbau des Gerüsts auf mögliche Schäden zu inspizieren. Mit Leitern ging das wegen der Dachneigung von bis 84 Grad aber nicht. Also haben wir mit der Drohne hochauflösende Videoaufnahmen gemacht, was natürlich ein großer Vorteil bei der Abnahme war. Und als »Schmankerl« gibt es deshalb nun auch einen kleinen Film (siehe QR-Code rechts).

Sie arbeiten mit drei Generationen im Betrieb – wie läuft das?

Sehr gut: Mein Vater war bis Ende 2020 alleiniger Geschäftsführer, zum Jahresanfang bin ich in die Geschäftsführung eingestiegen. Und mein Opa, der die Firma gegründet hat, ist ein sehr fitter Mensch und deshalb auch ein bis zwei Tage pro Woche im Betrieb. Er hat einen riesigen Erfahrungsschatz, von dem sich alle Mitarbeiter immer wieder mal was abschauen.

Herr Lex, vielen Dank für das Gespräch.

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