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Auf vielen Dachbaustellen sind Bauholz und Dämmstoffe Mangelware. Und wer doch etwas bekommt, muss saftige Preise bezahlen. Die Folge: Angebote können nicht mehr gehalten werden, außerdem gibt es immer mehr Baustopps und sogar Kurzarbeit. dachbaumagazin hat sich mit Ruediger Thaler, Geschäftsführer der Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin, über die missliche Lage unterhalten.

Ruediger Thaler ist Geschäftsführer der Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin

 

dachbaumagazin: Herr Thaler, über 60 Prozent der Dachdeckerbetriebe in Deutschland sind derzeit von teilweise horrenden Preissteigerungen betroffen. Welche Baustoffe sind besonders betroffen und wie hoch fallen diese Preissteigerungen aus?

Ruediger Thaler: Am schlimmsten ist die Lage momentan beim Latt- und Schalholz. Hier sind die Preise um 100 Prozent gestiegen, einige Betriebe berichten sogar über eine Verdreifachung der ursprünglichen Preise. Auch viele Dämmstoffe, Baumetalle, Bitumen- und Unterspannbahnen sind derzeit 50 bis 100 Prozent teurer als üblich. Lediglich die Preise für Dachpfannen und Schiefer halten sich einigermaßen im Rahmen. Die Lage ist dramatisch, denn sie betrifft das gesamte Tätigkeitsgebiet der Dachdecker.

Einige Dachdecker erzählen, dass der Großhandel mittlerweile Wochen- oder sogar Tagespreise aufruft. Wie können die Betriebe darauf reagieren?

Die Dachdecker sind rechtlich in einer schwierigen Situation: Sie haben ihren Kunden Angebote gemacht, die sie nun wegen der höheren Preise eigentlich nicht mehr halten können. Ich würde in der jetzigen Situation auf jeden Fall prüfen, ob der Lieferant eine Preisbindung eingegangen ist und, falls ja, auch darauf pochen. Meist sind die Preise jedoch freibleibend oder zeitlich eng befristet. Ist der Dachdecker jedoch eine Preisbindung gegenüber seinem Kunden eingegangen, kann er ihm lediglich die Situation erklären und darum bitten, die höheren Preise zu akzeptieren. Es gibt zwar sogenannte Preisgleitklauseln, aber die dürften die wenigsten Handwerker in ihren Angeboten haben. Als allerletzter Nothebel bleibt noch die Berufung auf höhere Gewalt. Dann könnte man den Vertrag anpassen oder kündigen. Das ist aber von der Rechtsprechung noch nicht eindeutig geklärt. Die Landesverbände haben zusammen mit dem ZVDH die Dachdecker umfassend über ihre rechtlichen Möglichkeiten aufgeklärt.

Bei einigen kleineren Betrieben sind derzeit alle Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen beobachten Sie bei Ihren Mitgliedsbetrieben?

Das kann man jetzt schwer beurteilen, Tatsache ist jedoch: Es gibt Stornierungen von Aufträgen, Baustellenstopps und sogar Kurzarbeit. Das ist eine Entwicklung, die sich in den nächsten Monaten weiter verschlimmern könnte.

Wie viele Betriebe sind von Kurzarbeit betroffen?

Das sind momentan noch Einzelfälle, einige größere Betriebe haben einen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt, bei ein paar kleineren Firmen sind derzeit aber alle Angestellten zu Hause. Glücklicherweise ist die Auftragslage noch gut, sodass die meisten Betriebe die wirtschaftlichen Folgen dieser Preissteigerungen noch abfedern können

Wie konnte es zu dieser Verknappung von Baumaterial kommen? Und wann rechnen Sie wieder mit normalen Preisen?

Die Situation ist sehr komplex, es gibt ein ganzes Bündel von Gründen: Wir haben ja genug Holz, aber es wird exportiert, weil in Kanada ein Schädling die Holzbestände vernichtet und die USA von dort kaum noch Holz bekommen. Nun kaufen sie in Deutschland. Außerdem zieht in China die Konjunktur wieder an. Dazu gab es in einigen Dämmstoffwerken gleichzeitig Unfälle. Hier hoffe ich, dass die Produktion bald wieder aufgenommen werden kann, aber die hohen Holzpreise werden uns wohl noch über das Jahr hinaus begleiten.

Was können die Landesverbände und der ZVDH tun?

Wir wollen bei der Bundesregierung und den Landesregierungen Druck aufbauen, denn zur Erreichung der Klimaziele brauchen wir jetzt Hilfe.

Herr Thaler, vielen Dank für das Gespräch.

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