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Die Corona-Pandemie fordert die deutsche Bauwirtschaft besonders heraus, denn hier liefen die Arbeiten von Anfang an unvermindert weiter. Wichtig sind deshalb die einfachen Regeln zum Infektionsschutz. Neu hinzu kommt in der kalten Jahreszeit das Lüften. Wir haben uns mit Bernhard Arenz, Leiter der Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau), über das Thema unterhalten.

Bernhard Arenz ist Leiter der Abteilung Prävention bei der BG Bau (Foto: Photografic Berlin– Vivian Werk)

dachbaumagazin: Herr Arenz, im Baugewerbe gibt es schon immer die Grundregel: »Auf Winterbaustellen ist richtiges Lüften und Heizen besonders wichtig.« Aktuell bedeutet Lüften auch einen besseren Schutz vor dem Coronavirus. Wie geht richtiges Lüften eigentlich?

Bernhard Arenz: Lüften wird in den kommenden Monaten wichtig, um Infektionsgefahren zu verringern, auch in der Baubranche: Denken Sie an Bauwagen, Pausenräume, Büro-Container oder Sammelunterkünfte – überall hier kommen viele Beschäftigte auf engem Raum zusammen. Das birgt Risiken im Hinblick auf Corona. Daher gewinnt das Thema Lüften an Bedeutung, denn die Viren übertragen sich über feinste Tröpfchen in der Luft – die Aerosole. Dem kann einfach entgegengewirkt werden. Grundsätzlich ist die beste Möglichkeit dabei das, was wir alle von zu Hause kennen: Fenster auf und stoßlüften. Die Faustregel nach der Arbeitsstättenverordnung lautet: regelmäßig einmal pro Stunde und in Besprechungsräumen alle 20 Minuten lüften.

Lüften im Winter klingt ungemütlich. Pausen- und Besprechungsräume sind oft die einzigen warmen Orte auf kalten Baustellen, weshalb dort wohl nur ungern die Fenster geöffnet werden.

Klar, und das ist ja auch verständlich. Es geht aber gerade nicht darum, dass im Winter während der gesamten Pause das Fenster offen steht. Ein Raum kann auch gut durchlüftet sein, wenn zuvor die Fenster geöffnet waren. Konkret: Auf der Baustelle werden die Pausenräume jeweils vor den Pausenzeiten gereinigt und stoßgelüftet. Dazu kommt, dass immer auch die Anzahl der Personen im Raum eine Rolle spielt. Wenn vermieden wird, dass zu viele Leute auf engem Raum zusammenkommen, dann lassen sich auch die anderen Infektionsschutzregeln wie der Mindestabstand besser einhalten. Das lässt sich meist durch einfache Maßnahmen bewerkstelligen: feste Teams bilden, Pausenzeiten je nach Anzahl der Teams staffeln, Besprechungen – wenn möglich – in kleinerer Runde durchführen oder einfach mehr Platz schaffen.

Auf Baustellen finden häufig Besprechungen im Bauwagen oder Container statt – dort werden oft Ventilatoren und Heizlüfter eingesetzt. Ersetzt die Luftbewegung der Geräte das Lüften durchs Fenster?

Nein, solche Geräte sind auf keinen Fall ein Ersatz. Es geht nicht um Luftbewegung, sondern um Luftaustausch, um frische Luft durch Stoßlüftung. Im Gegensatz zu Ventilator und Heizlüfter können Lüftungen für Frischluft sorgen. Aber solche Geräte müssen gut gewartet und die Filter regelmäßig getauscht werden, sonst werden sie ebenfalls zur Virenschleuder. Natürliche Lüftung durch Fenster und Türen ist dagegen einfach und sicher.

AHA + L – wenn alle diese Regeln befolgen, ist schon viel gewonnen.

Das Thema Hygiene ist auf Baustellen nicht immer einfach zu lösen. Haben Sie Tipps, wie das besser gelingen kann?

Es gibt grundsätzlich klare Anforderungen an sanitäre Einrichtungen auf Baustellen. Wer sich daran orientiert, macht vieles richtig und ist auf der sicheren Seite. Doch nicht alle Fragen sind hier abschließend geklärt. Gerade im Winter kann das Probleme mit sich bringen: Die Beheizbarkeit von mobilen Toiletten, warmes Wasser, die Häufigkeit der Reinigung sind bisher Kann-Bestimmungen und keine Pflicht. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Baubranche sind Investitionen in diese Ausstattung zugleich Investitionen in die Zukunft. Denn Unternehmen, die sich für sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen engagieren, zeigen Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeitern und sind so als Arbeitgeber auch für andere attraktiv.

Wie schätzen Sie die Situation auf den Baustellen vor Ort ein?

In den vergangenen Monaten hat sich auf den Baustellen bezüglich der Hygienemaßnahmen vieles zum Positiven verändert. Die Aufsichtspersonen der BG Bau bewerten die hygienischen Zustände auf den Baustellen nach ihren Vor-Ort-Besuchen mit einer Ampel. Zu Beginn der Corona- Pandemie stand sie bei fast einem Drittel der Baustellen auf Rot. Diese Quote ist von Woche zu Woche zurückgegangen und liegt jetzt unter zehn Prozent. Insofern kann die aktuelle Corona-Krise auch eine Chance für die Branche sein. Durch die Pandemie ist das Thema »Hygiene auf Baustellen« jedenfalls deutlich weiter in den Vordergrund gerückt.

Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist für Unternehmen und Beschäftigte im Bauwesen ein wichtiges Thema. Wie lautet Ihr Appell mit Blick auf Corona?

Meine Botschaft wäre: Lassen Sie im Herbst und Winter beim Arbeits- und Infektionsschutz nicht nach! Jeder Einzelne auf der Baustelle muss sich der Gefahr bewusst sein und Verantwortung übernehmen – für sich und seine Kolleginnen und Kollegen. Die Regeln zum Infektionsschutz folgen einer einfachen Formel: »AHA+L«. Zu Abstand, Hygiene und Alltagsmaske kommt nun das Lüften – in Bauwagen, Werkstatt, Büro und Baucontainer. Wenn alle diese Regeln befolgen, ist schon viel gewonnen.

Herr Arenz, vielen Dank für das Gespräch.

 

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  • Die Corona-Pandemie fordert die deutsche Bauwirtschaft besonders heraus, denn hier liefen die Arbeiten von Anfang an unvermindert weiter. Wichtig sind deshalb die einfachen Regeln zum Infektionsschutz. Neu hinzu kommt in der kalten Jahreszeit das Lüften.

  • Marco Weichert ist gelernter Maurer, hat jahrelang bei einem Reetdachdecker gearbeitet, sich dort zum Techniker im Hochbau weitergebildet und führt seit 2004 seinen eigenen Betrieb.

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