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Hörnschemeyer Dächer aus Osnabrück ist ein Betrieb in dritter Generation und wird von Ina Hörnschemeyer und ihrem Mann Holger Henzel geleitet. Auf die Ausbildung wird viel Wert gelegt, sodass zu den 60 Mitarbeitern im August 2020 sechs Azubis hinzukamen. Wir haben uns mit Ina Hörnschemeyer über das Engagament unterhalten, das es braucht, um heutzutage für junge Menschen attraktiv zu sein.

Ina Hörnschemeyer ist geschäftsführende Gesellschafterin beim Dachdeckerbetrieb Hörnschemeyer Dächer in Osnabrück

dachbaumagazin: Frau Hörnschemeyer, welchen Stellenwert hat die Ausbildung in Ihrem Betrieb?

Ina Hörnschemeyer: Einen sehr hohen! Unsere Azubis sind das Fachpersonal der Zukunft, haben den Beruf von der Pike auf bei uns gelernt und kennen den Betrieb bis ins kleinste Detail. Ich finde es einfach klasse, wenn jemand vor zehn Jahren als Auszubildender angefangen hat und sich dann zum Vorarbeiter entwickelt oder sogar den Meistertitel erwerben will.

Die jungen Leute wollen sehen, dass wir ein modernes Unternehmen sind.

Viele Betriebe haben große Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Was macht Ihren Betrieb für junge Leute attraktiv?

Als wir 2015 plötzlich keine Kandidaten für unsere Ausbildungsplätze mehr fanden, sind wir das Thema mit viel Engagement angegangen und haben Kooperationen mit Schulen aufgebaut. Viele Lehrer kennen unseren Betrieb inzwischen so gut, dass sie uns gezielt für Ferienjobs und Praktika empfehlen. Weiterhin stellen wir den Betrieb und das Dachdeckerhandwerk beim sogenannten »Berufsorientierungsparcours« an den Schulen vor. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Social-Media-Aktivitäten, um die sich unsere Gesellin Lisa Kundetov kümmert (siehe dachbau magazin
11/2019, Seite 38/39). Die jungen Leute wollen sehen, dass wir ein modernes Unternehmen sind, wir müssen halt irgendwie cool sein. Das klappt anscheinend auch ganz gut, denn wir sind als Ausbildungsbetrieb in Osnabrück mittlerweile gefragt: Wer hier den Dachdeckerberuf erlernen will, tut das oft bei uns.

Welche Anforderungen stellen Sie an die Bewerber?

Schulnoten sind bei uns zweitrangig, aber sportlich sollten Bewerber schon sein, sonst halten sie die Arbeit auf dem Dach nicht durch. Außerdem sind uns das Sozialverhalten und vor allem die Zuverlässigkeit wichtig. Ich möchte Azubis haben, die wirklich Lust haben, bei uns den Dachdeckerberuf zu erlernen. Deshalb ist es hilfreich, wenn die Kandidaten zuvor ein Praktikum absolviert haben und wissen, worauf sie sich einlassen.

Was bieten Sie den Bewerbern?

Wir bezahlen zunächst mal über Tarif. Zudem bekommen die Azubis eine zusätzliche Unfall- und Krankenversicherung, ein Smartphone sowie Unterstützung beim Leasing eines E-Bikes. Außerdem gibt’s bei uns Oktoberfest und Weihnachtsfeier sowie weitere gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Wasserski und Bowlen.

Viele Bewerber brechen die Ausbildung nach kurzer Zeit ab. Wie ist das in Ihrem Betrieb und wo sehen Sie die Gründe dafür?

Von unseren sechs Azubis sind leider auch schon zwei nicht mehr dabei. Die sind irgendwann nur noch unregelmäßig gekommen, waren nicht in der Schule und hatten dafür auch keine plausiblen Entschuldigungen. Deshalb mussten wir uns trennen, denn wir möchten die Energie in Azubis investieren, die mit Herz bei der Sache sind. Generell habe ich beobachtet, dass die meisten Abbrüche recht früh stattfinden – oft, weil die Bewerber gemerkt haben, dass Dachdecker nicht der richtige Beruf für sie ist.

Wie sieht es bei Ihnen mit weiblichen Azubis aus?

Die gibt’s leider viel zu selten, aber momentan haben wir gleich zwei Kandidatinnen, die im nächsten Jahr eine Dachdeckerausbildung machen wollen. Eine der beiden arbeitet bereits in den Ferien und neben der Schule bei uns und freut sich schon sehr auf die tägliche Baustellenarbeit. Das wäre natürlich super, wenn zwei Mädels gleichzeitig anfangen, das macht den Start deutlich leichter.

Frau Hörnschemeyer, vielen Dank für das Gespräch.

Unsere drei neuesten Interviews

  • Hörnschemeyer Dächer aus Osnabrück ist ein Betrieb in dritter Generation und wird von Ina Hörnschemeyer und ihrem Mann Holger Henzel geleitet. Auf die Ausbildung wird viel Wert gelegt.

  • Die Corona-Pandemie fordert die deutsche Bauwirtschaft besonders heraus, denn hier liefen die Arbeiten von Anfang an unvermindert weiter. Wichtig sind deshalb die einfachen Regeln zum Infektionsschutz. Neu hinzu kommt in der kalten Jahreszeit das Lüften.

  • Marco Weichert ist gelernter Maurer, hat jahrelang bei einem Reetdachdecker gearbeitet, sich dort zum Techniker im Hochbau weitergebildet und führt seit 2004 seinen eigenen Betrieb.

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