Dachdeckergesellin Theresa Janke aus Lübben hat in diesem Jahr die Ausbildung im elterlichen Betrieb beendet, lernt jetzt aber trotzdem schon für die Meisterprüfung, die sie im Sommer 2022 abschließen will. Im Gespräch mit dem dachbaumagazin erzählt die 20-Jährige, warum ihr die Arbeit auf dem Dach so gut gefällt und wie es ist, stets die einzige Frau auf der Baustelle zu sein.

Dachdeckergesellin Theresa Janke bereitet sich momentan auf die Meisterprüfung vor

dachbaumagazin: Frau Janke, was hat Sie dazu bewogen, nach der Gesellenprüfung gleich den Dachdeckermeister in Angriff zu nehmen?

Theresa Janke: Ich bin nach der Gesellenprüfung einfach noch sehr gut im Stoff. Natürlich habe ich auch überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, zunächst auf der Baustelle noch mehr Berufserfahrung zu sammeln, habe mich dann aber doch dafür entschieden, im Juni mit den Teilen 3 und 4 zu starten. Da habe ich zwar schon den Unterschied zur Berufsschule gemerkt, aber mir macht es einfach Spaß, was Neues zu lernen. Ich finde es gut, dass der Stoff anspruchsvoll ist.

Können Sie sich noch erinnern, wann Sie das erste Mal auf dem Dach gestanden haben?

Ja klar, das war nach der 1. Klasse in den Sommerferien. Meine Mutter hat gearbeitet, mir war langweilig, und da hat mich mein Vater eben mit auf die Baustelle genommen. Mir hat es da immer sehr gut gefallen, und nach der 8. Klasse habe ich dort dann Ferienjobs gemacht: aufräumen, leichtes Material tragen, zuschauen, fragen und lernen. Für mich war ein Tag auf der Baustelle von Anfang an etwas Großes, denn da kann ich abends sehen, was ich geschafft habe.

Was für Erfahrungen haben Sie dabei mit Ihren männlichen Kollegen gemacht?

Nach zwei Jahren Ferienarbeit habe ich immer mehr Aufgaben übernommen und musste den Jungs irgendwann klarmachen, dass ich keine Sonderbehandlung will – weder als Tochter vom Chef noch als Frau. Ich hab’ den Kollegen gesagt, dass sie mich ganz normal behandeln sollen und ich mich schon melde, wenn ich etwas nicht schaffe.

Die Arbeit auf dem Dach ist vielfältig und man lernt jeden Tag etwas Neues.

Natürlich gucken die Männer aus den anderen Gewerken zuerst immer, wenn da eine Frau auf die Baustelle kommt, und dann gibt’s auch schon mal ’nen dummen Spruch. Das war aber noch nie ein Problem: Ich verhalte mich einfach ganz normal, und dann ist schnell Ruhe.

Was begeistert Sie am Dachdeckerberuf?

Die Arbeit ist vielfältig, man lernt jeden Tag etwas Neues, hat eine schöne Aussicht auf dem Dach und bewegt sich an der Luft. Seit ich als Dachdeckerin arbeite, bin ich kaum noch krank. Besonders viel Spaß macht mir das Schweißen von Bitumenbahnen und die Arbeit mit Blech.

Warum gibt es dann nur wenige Jugendliche, die eine Ausbildung zum Dachdecker machen wollen?

Weil ich Abitur gemacht habe, bin ich erst im zweiten Lehrjahr in die Ausbildung eingestiegen, und da waren viele aus dem ersten Lehrjahr schon wieder ausgestiegen. Ich glaube, dass viele Jugendliche ein Problem damit haben, sich zu motivieren und sich in ein Team einzugliedern. Außerdem klingt so ein Studium irgendwie leichter als die Arbeit im Handwerk, ist es aber am Ende meist gar nicht. Die ersten Jahre auf dem Dach sind natürlich nicht einfach, die Arbeit ist körperlich anstrengend und beginnt schon um 6 Uhr. Meiner Meinung nach muss man einfach fürs Handwerk geschaffen sein.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Was ich nach der Meisterschule mache, weiß ich noch nicht genau. Aber eines meiner Lebensziele ist definitiv, irgendwann zusammen mit meinem Bruder Johannes den Betrieb unseres Vaters zu übernehmen.

Frau Janke, vielen Dank für das Gespräch.

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