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Am östlichen Rand der Oberlausitz, rund 10 km nördlich von Zittau und unweit der polnischen Grenze liegt Dittelsdorf. Der Ort ist geprägt von den typischen Umgebindehäusern der Oberlausitz – dieser besondere Haustyp vereint Blockholzbau, Fachwerk- sowie Mauerwerksbau und wird im 18. Jahrhundert mit den aufkommenden Hauswebereien verbunden, die auch in Dittelsdorf typisch für die Entwicklung des Ortes zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren und in der gewachsenen Gemeinde den Willen nach einem eigenen Kirchengebäude förderten. So entstand von 1848 bis 1850 ein Kirchenneubau: Nach den Plänen von Carl August Schramm wurde ein Saalbau im Rundbogenstil als Mauerwerksbau mit halbrunder Apsis und Satteldach errichtet. Der Kirchenbau orientiert sich deutlich an Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel und gilt als bedeutsames Baudenkmal der Region. Besonderes Merkmal dieser Kirche war das zweifarbige Biberdach mit dem markanten Muster, von dem vor Beginn der Sanierungsarbeiten allerdings kaum noch etwas zu sehen war.

Die Fassade ist durch Lisenen, Fensterrahmungen und Bänder im unverputzten Ziegelbau geprägt. Die Traufgesimse, die Traufattika und die schlanken Türmchen sind als Fialen in Sandstein ausgeführt. Diese Gestaltungselemente prägen den Baukörper mit einer klaren Gliederung. Nach einem Brand 1954 wurde die mittlere Turmspitze um drei Meter erhöht. Im Kirchensaal befindet sich eine zweigeschossige Holzempore. Der Raum wird durch eine Kassettendecke abgeschlossen, die 1955 farblich gefasst wurde.

Feuchtigkeitsschäden

Eine Analyse der gesamten Tragkonstruktion ergab zahlreiche Feuchteschäden: Neben Rissen im Gemäuer zeigten sich auch starke Schäden am Dachstuhl, inklusive Hausschwamm. Die Konstruktion besteht aus einem Pfettendach mit vierfach hängendem Stuhl. Die beiden inneren Stützenreihen in den Vollgebinden bilden ein Hängewerk und überspannen so das rund 15 m breite Kirchenschiff. Sechs Vollgebinde sowie vier Leergebinde dazwischen wurden über dem Kirchenschiff errichtet. Ursprünglich waren die Auflagepunkte auf einer doppelt verlegten Mauerschwelle, die aber auf der Südseite der Tragkonstruktion vollständig entfernt wurde und auf der Nordseite noch als innere Schwelle vorhanden war. Aber auch diese Lageschicht war nun vollständig zerstört. Das Satteldach mit einer Dachneigung von 35 Grad war mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln im Segmentbogenschnitt 14,5/36 und Vermörtelung gedeckt. Ursprünglich hatten die beiden Satteldachflächen ein zweifarbiges Muster, das jedoch zum Zeitpunkt der Analyse nur noch auf der Südseite erkennbar war. Über einen langen Zeitraum eindringendes Regenwasser hatte nicht nur zu Schäden an der Dachkonstruktion geführt, sondern auch in der Kassettendecke des Kirchenraums mit ihren schönen Ausmalungen für Substanzschädigungen gesorgt und zudem die Orgel gefährdet.

 

Im Zuge der Sanierungsarbeiten mussten zahlreiche Sparren in den Fußpunkten ergänzt oder ersetzt werden. Auch in den Pfettenlagen kam es zu umfangreichen Ertüchtigungen der Bestandskonstruktion. Unter Beachtung der denkmalpflegerischen Vorgaben wurden hier Stuhlstützen ebenso ergänzt oder ersetzt wie die Deckenlage mit Unterkonstruktion und Schalung. Nach dem Abdecken der alten Biberschwanzdeckung und den Ertüchtigungsarbeiten in einzelnen Bauabschnitten wurde die Tragkonstruktion auf den Sparren eingeschalt. Den Auftrag für die Ausführung der Dachdeckerarbeiten erhielt die Dachdeckerei Rudolph & Hieronymus Dachdecker GmbH aus Löbau.

Verlegung der Unterdeckbahn

Auf der Schalung verlegten die Dachdecker eine wasserdichte, aber dennoch diffusionsoffene Unterdeckbahn. Da Bauzeitverzögerungen durch unverhofft auftretende Zimmererarbeiten an der Dachkonstruktion zu erwarten waren, entschieden sich die Planerin Doris Kohla aus Görlitz sowie das beteiligte Denkmalamt zum Einsatz der robusten Bahn Divoroll Premium WU von Braas. Sie ist einfach zu verlegen und ermöglicht als Behelfsdeckung eine Freibewitterung von sechs Wochen. Nach dem Ausrollen der Bahn parallel zur Traufe befestigten die Dachdecker die Lage im oberen, überdeckten Bahnenrand auf der Schalung. Anschließend wurde die hintere Nahtkante punktweise mittels Heißluftföhn und einer Flachschlitzdüse (40 mm) bei einer Schweißtemperatur zwischen 210 und 260 °C vorfixiert, um ein Verschieben zu verhindern. Vor der Verarbeitung erfolgte eine Schweißprobe, um die tatsächliche Heißlufttemperatur und Schweißgeschwindigkeit zu ermitteln. Anschließend verschweißten die Dachdecker die Bahnen auf ganzer Länge. Für eine homogene Verschweißung wurden beide Fügeflächen durch gleichmäßiges Erhitzen in den plastischen Zustand überführt und durch Fügedruck mit einer Silikonrolle wasserdicht verbunden. Auch die seitlichen Überlappungen der Bahnen wurden so sicher miteinander verschweißt. Die Verlegung erfolgte mit versetzten Querstößen. Anschließend konnten die Dachdecker die Konterlattung auf einem Nageldichtband fixieren und so auch die Unterdeckbahn lagesicher gegen Windsog halten.

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