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Es ist wirklich schade, dass die Geschichte des historischen Gebäudeensembles in der Nähe von Lensahn an der Ostsee kaum dokumentiert ist. Das kleine Wohnhaus mit seinen Nebengebäuden wurde im 18. Jahrhundert erbaut und hat somit die wechselhafte norddeutsche Geschichte mit einigen Krisen und zwei Weltkriegen überlebt. Anfangs wurde es wohl als Lager für Getreide und zeitweise auch als Stallung genutzt. So jedenfalls verraten es die heute ungewöhnlich anmutende Getreidelade an der Frontseite und der ursprüngliche Grundriss des Hauses.

In die Jahre gekommen

Die in die Jahre gekommenen, mittlerweile sehr reparaturanfälligen Reetdächer der beiden Gebäude und die mangelnde Dämmung waren die entscheidenden Argumente für die Neudeckung der Dächer mit Reet und eine damit einhergehende energetische Ertüchtigung. Die Vorgaben des zuständigen Denkmalamtes für dieses Gebäudeensemble lagen im üblichen Rahmen. Seit 1987 handelt es sich um ein eingetragenes Kulturdenkmal. Die Sanierung musste somit den Vorgaben bezüglich der Materialverwendung (Reet) und regionaler Details (zum Beispiel ein Kappfirst) entsprechen. Außerdem war gefordert, dass das Reet gebunden und nicht geschraubt verarbeitet werden sollte. Da der Dachbereich des Hauptgebäudes zum Nebengebäude hin nicht die erforderliche Dachneigung aufwies, wurde dieser Bereich wie schon zuvor wieder mit roten Dachziegeln (S-Pfannen mit Geradschnitt) gedeckt.

 

Die Ausführung der neuen Reetdeckung war durchaus eine Herausforderung, weil das kleine Dach unterschiedliche Neigungen aufweist. Die Deckarbeiten verliefen wie gewohnt im traditionellen Reetdachdeckerhandwerk: Die Reetbunde wurden mit 4,5 mm dicken verzinkten Stangendrähten (dem sogenannten „Schachtdraht“), die parallel zur Dachlatte verlaufen, an die Lattung herangezogen. Der Stangendraht, der bei etwa 15 bis 17 cm in der Mitte der 30 bis 35 cm dicken Reetschicht liegt, wird jeweils mit der folgenden Decklage überdeckt, mit einem 1 mm dicken Chrom-Nickel-Bindedraht um die Dachlatte herumgeführt und mit dem Stangendraht verdrillt. Jedes Bund wird in der Länge drei- bis viermal mit dem Bindedraht fixiert, entsprechend an die Dachlatten gebunden und anschließend stets mit dem Klopfbrett in Form gebracht.

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