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Sorgfältige Detailplanung, ein Herz für Mauersegler, Haussperlinge, Turmfalken und Fledermäuse sowie ein gutes Auge für die Gesamtwirkung von Dachflächen, Vordächern und Fensterbänken waren nötig, um aus der sanierungsbedürftigen Kirche Sankt Andreas wieder ein Denkmal mit originalgetreuer Dachdeckung zu machen. Dafür erhielt das Dach auf dem Langhaus der Kirche die ursprüngliche rote Mönch-Nonnen-Deckung.

 

Die aufwendige Kirchensanierung wurde in zwei Bauabschnitten ausgeführt: Der erste Bauabschnitt erstreckte sich von März 2019 bis Mai 2021 und beinhaltete sämtliche Außenarbeiten, also vor allem am Dach und an der Fassade. Die Kirche hatte ihre letzte größere Instandsetzung im Jahr 1966 erfahren, berichtet Architekt Florian Igl: „Somit waren einige Reparaturen und statische Ertüchtigungen im Dachstuhl notwendig. Die nun durch eine Mönch- und Nonnen-Deckung ersetzten Biberschwanzziegel mit Geradschnitt stammten ebenfalls aus dieser Zeit.“

Originalziegel im Dachstuhl

Im Vorfeld der Sanierung waren im Dachstuhl der Kirche einige Ziegel der ursprünglichen Dachdeckung – Mönch- und Nonnenziegel – gefunden worden. Ziel der Neudeckung des Dachs war es nun, das ursprüngliche Erscheinungsbild dieser charakteristischen Dachziegel wiederherzustellen. In enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege sowie der Kirchenstiftung Sankt Andreas Baierbach und der Erzdiözese München und Freising entschied sich der Architekt für den Ergoldsbacher Mönch- und Nonnenziegel „Alter Hof “ von Erlus, trocken verlegt und geklammert. Mit den Proportionen dieser Ziegel kam man der Ursprungsproportion der Mönch- und Nonnendeckung am nächsten. „Eine mörtellose Mönch- und Nonnendeckung wurde bereits erfolgreich bei der Kirche Sankt Wolfgang in Pipping eingesetzt“, begründet Architekt Florian Igl die Auswahl.

Vom Barock zur Moderne

Die katholische Pfarrkirche Sankt Andreas wurde wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit einem südlichen Seitenschiff erbaut. Seit 1860 war die Erweiterung der Kirche geplant, da der Anzahl von 680 Gemeindemitgliedern nur 498 Steh- und Sitzplätze gegenüberstanden. 1885 wurde durch Pfarrer Nefzger der Antrag bei der Regierung von Niederbayern eingereicht, die Kirche um das nördliche Kirchenschiff sowie nach Westen durch eine Erweiterung zu vergrößern. Auch ein Antrag auf Anbau einer Sakristei wurde gestellt. Die Regierung genehmigte das Bauvorhaben 1887, woraufhin es im nächsten Jahr ausgeführt wurde. Während dieser Bauarbeiten wurde die barocke Ausstattung entfernt. Um 1890 folgten eine neue Kanzel sowie Seitenaltäre und ein Hochaltar. Von 1960 bis 1966 wurde die Pfarrkirche dann umfangreich saniert. Die neugotische Ausstattung wurde dabei ebenfalls entfernt und ein aus Back- stein aufgemauerter Altartisch bildete nun den Mittelpunkt der Kirche. Im Jahr 2000 konnte schließlich durch eine Spende die langersehnte Orgel angeschafft und eingeweiht werden. Die nun ausgeführte Neudeckung des Dachs ist Teil einer aufwendigen Gesamtsanierung, bei der durch die unterschiedlichen Materialien – Mönch und Nonnen sowie 18 mm dicke Geradschnittkirchenbiber – bewusst die Zeiträume, in denen die einzelnen Gebäudeteile entstanden waren, erkennbar bleiben sollen.

Aufwendiger Naturschutz

Besonders schwierig gestaltete sich die Planung der einzelnen Bauabschnitte: Wegen der Auflagen aus dem Bundesnaturschutzgesetz mussten die Arbeiten in mehreren Abschnitten erfolgen. In Baierbach ist nämlich eine der größten zusammenhängenden Mauersegler-Besiedelungen Niederbayerns ansässig. Acht bis zehn Mauerseglerpaare haben im Bereich der Traufe Brutplätze. Zudem wurden Nistplätze von Haussperlingen, Turmfalken und Fledermäusen entdeckt. Dies führte zu ungeahnten Schwierigkeiten: „In der besten Zeit – Mitte April bis Ende August – durften am Dach keine Arbeiten erfolgen. Dies führte zu einem etwas holprigen und insgesamt recht langen Bauablauf “, so Architekt Florian Igl. „Weiterhin mussten alle bestehenden Brutplätze erhalten und darüber hinaus auch zusätzliche Brutplätze geschaffen werden.“ Für die Firma Grabrucker aus Kirchberg, die die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten übernahm und darüber hinaus auch die Gerüste aufstellte, hieß das, die Gerüste einschließlich Netze, Gitter und Planen so aufzubauen, dass die Mauersegler die Ein- und Ausflugsöffnungen gefahrlos erreichen und nutzen konnten.

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