Bei einem Weingut hat man normalerweise ein klares Bild vor Augen: idyllische Architektur in traditioneller Bauweise mit rustikalem Ambiente inmitten malerischer Weinberge. Diese Erwartungshaltung erfährt beim Weingut Höflich in Unterfranken eine Überraschung: Zwar stimmt das Bild mit den Weinbergen, aber das futuristische Wohnhaus der Familie Höflich gleicht den Bildern in modernen Kunst- oder Architekturzeitschriften. Ein begehbares plastisches Kunstwerk mit klaren Kanten und Linien, aber wenigen rechten Winkeln. Das Außergewöhnliche ist die Gebäudehülle aus einem Guss: Das komplette Dach und Teile der Fassade sind mit der Kunststoffbahn Wolfin GWSK in Grau abgedichtet.

Qualität und Profil

Im äußersten Nordwesten Frankens, in einem Gebiet, das schon zu Zeiten der Römer für sein Klima und beste Weinbaulagen berühmt war, liegt das Weingut Höflich – inmitten der Weinberge Großostheims bei Aschaffenburg. Seit 1928 baut die Familie Höflich hier Wein an, mittlerweile bereits in der vierten Generation. Was vor 90 Jahren mit einem Weinberg und dem Verkauf von Trauben begann, ist heute ein modernes Weingut – eine stimmige Kombination aus traditionellem, naturnahem Anbau und moderner Verarbeitung. Modernität war jedenfalls auch gefragt, als Bauherr Frank Höflich sich wegen Umbau und Erweiterung eines bestehenden Wohngebäudes an das Frankfurter Architekturbüro CMA Cyrus Moser Architekten wandte. „Weinkulturlandschaften, zeitgemäße und hochwertige Präsentationsformen und ein authentisches Ambiente sind wichtige Faktoren des Weinmarketings“, erklärt Architekt Oliver Cyrus. „Winzer müssen auf Qualität setzen und ein unverwechselbares Profil entwickeln, in ihrem Sinne und am besten für die gesamte Region.“

Begehbare Plastik

Das unverwechselbare Profil ist mit dem Entwurf auf jeden Fall gelungen. Das neue Mehrfamilienhaus mit Wohnungen für drei der Höflich-Familien folgt über mehrere Ebenen dem Hangverlauf, umfasst ein älteres Gebäude und umgibt auf einem unregelmäßigen, U-förmigen Grundriss einen gemeinsamen Innenhof. Das Dach ist weder ein Flachdach noch ein klassisches Steildach, sondern ein unregelmäßiges kristallines Gebilde mit Neigungswinkeln von 5 bis 73 Grad, das an einer Ecke in einer rund 8 m hohen Spitze endet. Die Außenmauern – zum Beispiel über den großflächigen Terrassenfenstern mit freitragenden Fensterstürzen über mehrere Meter Distanz – sind teilweise aus Beton gegossen, teilweise gemauert.

Farblich abgestimmt

Den Auftrag zur Dämmung und Abdichtung der kompletten Gebäudehülle erhielt die Rest Bedachungen GmbH. Für die Abdichtung von Dach und Fassade hatten die Planer ursprünglich eine Lösung auf Bitumenbasis vorgesehen. Dachdecker- und Spenglermeister Walter Rest empfahl aber eine Lösung mit der hellgrauen Kunststoffbahn GWSK von Wolfin, die durch ihre farbliche Alternative und ihre einfachere Verarbeitbarkeit punktete. Die Argumente für die kaltselbstklebende Bahn überzeugten den Bauherrn und den Architekten.

Eine besondere Baustelle

Was nun kam, war auch für erfahrene Dachdecker eine Premiere: Die außergewöhnliche Form des Baukörpers und die Herausforderung, dass die Abdichtungsarbeiten auf einer Gesamtfläche von 630 m² auch an der Fassade auf den besonders steilen, bis 73 Grad geneigten Steildachbereichen ausgeführt werden sollten. Die Nähte ließen sich in diesen Bereichen der Gebäudehülle nicht mit den üblicherweise eingesetzten Automaten verschweißen, sondern mussten mit einem Handgerät per Heißluft gefügt werden. Doch zuvor stand der Dach- bzw. Fassadenaufbau an: Hier kamen nach Verlegung einer Dampfsperre bzw. Dampfbremse als Dämmung PUR/PIR-Hartschaumplatten zum Einsatz, die oberseitig mit einer Holzwerkstoffplatte bekleidet sind.

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