Als die Handwerker für die beiden Gebäude am Markt 12 und Markt 14 im Zentrum von Marktredwitz die ersten Mauern hochzogen, war Heinrich IV noch an der Macht – und der Buchdruck noch gar nicht erfunden. Der Kern der beiden im westlichen Altstadtbereich gebauten Stadthäuser reicht in das Jahr 1400 zurück. Nur die Hülle der unter Ensembleschutz stehenden Baudenkmäler erfuhr im Laufe der Zeit eine Reihe von Veränderungen. Schuld daran waren nicht zuletzt zwei Stadtbrände, die 1836 und 1849 die Siedlung am Markt verwüsteten. Aus dem, was nicht zu Schutt und Asche zerfallen war, bauten die Besitzer die zuvor giebelständigen Gebäude im Anschluss in einer zweigeschossigen, traufständigen Bauweise wieder auf.

Angesichts der florierenden Wirtschaftsperiode zu Beginn des 20. Jahrhunderts stockten sie die beiden Häuser um 1903 nochmals um eine Etage auf und schmückten sie zudem mit einer prunkvollen Fassadenverzierung im Stil der Neorenaissance. Im Erdgeschoss fanden nun Geschäfte Platz und darüber wurde gewohnt, wobei die „guten Stuben“ zum öffentlichen Raum ausgerichtet waren. Die Wohnqualität entsprach den damaligen Erfordernissen, das Schieferdach war dicht, die Räume waren zeitgemäß und der Standort gut.

Feuchtigkeit und Hausschwamm

Mehr als 100 Jahre später stimmten diese Aussagen nicht mehr: Nicht nur die Haustechnik war veraltet, auch die Fassade und das Dach waren marode. Eine in zwei Bauabschnitten durchgeführte Sanierung inklusive Umbau hat das Ensemble wieder auf den heutigen Stand der Technik gehoben – und dabei den Charme der Entstehungszeit beibehalten. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete nicht zuletzt das in Altdeutscher Deckung erneuerte Schieferdach, das eine authentische historische Optik mit moderner Energieeffizienz kombiniert. Echter Hausschwamm: So hatte die Diagnose geheißen, die die Sanierung von Markt 14 im ersten Bauabschnitt notwendig gemacht hatte. Vor allem im Dachbereich auf der Nordseite war Wasser ins Gebäude eingedrungen. Weil die Anschlüsse zwischen den Gauben und dem Dach ohne Anschlussbleche ausgeführt worden waren, war auch hier Feuchtigkeit eingedrungen. Aus diesem Grund mussten die Handwerker nicht nur die Gaubenwangennin die Dachdeckung integrieren und dafür neue Anschlussbleche aus Kupfer einbauen; die Holzdecke unterhalb des Dachgeschosses musste ebenfalls erneuert werden.

 

Hier wurden befallene Balken zurückgeschnitten, schadhafter Putz aufgeklopft und alles mit Borsalz behandelt, um einen erneuten Befall mit Hausschwamm zu verhindern. Gleichzeitig ließ der damalige Hausbesitzer das 1. Obergeschoss in Büroräume für das Architekturbüro Peter Kuchenreuther umbauen.

Aus zwei Häusern wird eins

Heute ist Peter Kuchenreuther zusammen mit seiner Ehefrau Birgit Besitzer der Doppeladresse Markt 12/14. Das Architekturbüro des Bauherrn nutzt den kompletten ersten Stock des Ensembles. Im Erdgeschoss der Hausnummer 14 befindet sich ein Einzelhandelsgeschäft. Nebenan – in der Hausnummer 12 – liegen der Eingang nebst Küche bzw. Aufenthalts- und Besprechungsraum des Planungsbüros. Das zweite Stockwerk sowie das Dachgeschoss von Markt 12/14 wurde zu Maisonettewohnungen umgebaut. Möglich machte dies der zweite Bauabschnitt der Sanierung. In diesem Zuge ließ Peter Kuchenreuther die Elektro- und Sanitärinstallationen sowie die Heizung modernisieren. Die Innenräume wurden unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange komplett umgestaltet, die Fenster erneuert und die Fassade neu verputzt.

Um eine Dachterrasse für die Wohneinheit der Hauses Markt 14 zu gestalten, erhielt das Flachdach des angrenzenden Nebengebäudes eine neue, gedämmte Holzbalkendecke und einen Belag aus Lärchenholz. Parallel ließ der Architekt einen Teil des Walmdachs des Hauses Markt 12 zurückbauen und die Konstruktion durch eine senkrechte Fassade schließen, um davor Platz für eine neue Dachterrasse zu schaffen.

Schiefer aus Spanien

Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch das Dach energetisch saniert und die stellenweise schadhafte Schieferdeckung erneuert. Im Vorfeld trugen die Zimmerer zunächst die alte Schieferdeckung, die alten Abdichtungslagen und die Schalung ab. Zudem bauten sie die Holzbalkendecke im Dachgeschoss zurück und ersetzten sie durch eine Ziegeleinhängedecke. Indem diese tiefer gesetzt wurde als die Ursprungskonstruktion, entstand Platz für die nötige Dämmschicht, ohne dabei die Trauflinie verändern zu müssen. Auch der Kniestock konnte beibehalten und der Dachansatz als Brüstung für die Gauben genutzt werden. Das neue Dach wurde als Satteldach auf Basis der Bestandssparren ausgeführt und mit einer Zwischensparrendämmung energetisch ertüchtigt. Oberhalb der Sparren ergänzten die Handwerker der Reithel Dachdeckerei den Dachaufbau in diffusionsoffener Bauweise: 2,5 cm dicke Fichtenschalung, diffusionsoffene Folien, eine Konterlattung und eine zweite, 3 cm dicke Schalungsebene sowie eine für die Schieferdeckung geeignete Dachbahn dienen als Untergrund.

 

Die Deckung besteht aus Naturschiefer, der in Spanien abgebaut und über Rathscheck Schiefer bezogen wurde.Vor Ort verlegten die Handwerker die Platten in Altdeutscher Deckung mit Schablone und eingebundenem Fuß und arbeiteten am Dachrand zudem eine Schneefanganlage ein. Bei dem um 35 Grad geneigten Hauptdach kamen 30 × 30 cm große Schieferplatten zum Einsatz. Alle Rauten und – an den Dachrändern – Dreiecke wurden direkt auf der Baustelle passgenau zugeschnitten und danach mit jeweils drei Schiefernägeln schuppenartig in schrägen Gebinden auf die Schalung genagelt. Dazu verwendeten die Handwerker Stifte aus Edelstahl (3,2 × 35 und 3,2 × 40 mm), „denn die in früheren Zeiten üblichen Eisen- und Kupfernägel beginnen irgendwann zu rosten“, erzählt Roger Reithel, Dachdecker und Inhaber der Firma Reithel. „Wenn sie dann herausfallen, lösen sich die Schieferplatten. Dank der Edelstahlnägel kann die Lebenserwartung eines Schieferdachs hingegen auf 100 Jahre und mehr verlängert werden.“

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